Buch-Neuerscheinung mit Beitrag von Andreas Exner
„Routledge Handbook of Cooperative Economics and Management“
Nach Angaben der International Cooperative Alliance (ICA) existieren weltweit über drei Millionen Genossenschaften mit rund einer Milliarde Mitgliedern und weit darüber hinausreichender gesellschaftlicher Wirkung. Genossenschaften sind also kein Randphänomen, sie sind ein bedeutender Bestandteil der wirtschaftlichen Organisation von in etwa 12% der Weltbevölkerung.
Das „Routledge Handbook of Cooperative Economics and Management“ bietet vor diesem Hintergrund eine fundierte Einführung in das Themenfeld und einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu kooperativen wirtschaftlichen Praktiken, mit besonderem Fokus auf den Genossenschaftssektor. Im Zentrum des Bandes stehen zentrale Fragestellungen und Debatten der Genossenschaftsforschung. Er entwickelt Perspektiven für zukünftige Forschung, arbeitet Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Kooperationsformen heraus und beleuchtet deren Verbindung mit wirtschaftsethischen Prinzipien. Zudem analysiert das Handbuch das Verhältnis von Kooperation und Wettbewerb und zeigt auf, inwiefern genossenschaftliche Ansätze zur Bewältigung von Herausforderungen wie ökologische Krisen, soziale Ungleichheit und den problematischen Auswirkungen digitaler Plattformökonomien beitragen können.
Angesichts sich überlagernder Krisendynamiken betonen internationale Organisationen zunehmend die Bedeutung alternativer, kooperativer Wirtschaftsmodelle, die soziale und ökologische Ziele über reine Gewinnorientierung stellen. Diese Ansätze werden häufig unter dem Begriff der Social Economy zusammengefasst und gelten als vielversprechend für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise. Gleichzeitig besteht jedoch ein deutlicher Forschungsbedarf: Empirische Studien sind bislang begrenzt, insbesondere jenseits der Energie- und Agrarsektoren, und werden zudem durch unklare Begriffsdefinitionen erschwert. Der Beitrag von Andreas Exner und Dirk Raith adressiert diese Lücken und diskutiert sowohl den aktuellen Forschungsstand als auch bestehende theoretische Defizite. Die Autoren zeigen, dass bisherige Arbeiten vor allem Einzelfälle ökologisch erfolgreicher Organisationen beleuchten, während systematische Analysen und tragfähige theoretische Fundierungen noch fehlen. Vor diesem Hintergrund schlagen sie vor, die Forschung stärker an einem heuristischen Modell auszurichten, das Gemeinwohlorientierung, Solidarität und demokratische Organisation in ihrem Zusammenspiel in den Mittelpunkt stellt. Zukünftige Studien sollten zudem verstärkt auf methodisch fundierte, kombinierte Forschungsansätze setzen.
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